Marktreport Erstellt am  6. Februar 2026
Gold: Panik oder Einstiegschance?
Gold nach Verschnaufpause wieder in der Spur
Nach einem fulminanten Jahresauftakt wurde der Höhenflug des Goldpreises abrupt gebremst. Innerhalb von nur zwei Tagen rutschte die Notierung von ihrem Rekordhoch von fast 5.600 Dollar je Feinunze zeitweise auf rund 4.400 Dollar ab. Auslöser war die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Kevin Warsh als künftigen Fed-Chef zu erennen. Der frühere Vertreter eines straffen geldpolitischen Kurses steht für Disziplin und Unabhängigkeit – und nahm damit den Sorgen vor einer politisch beeinflussten, allzu lockeren Geldpolitik spürbar den Wind aus den Segeln.

Zwar galt Warsh bereits im Vorfeld als aussichtsreicher Kandidat, eine echte Überraschung war seine Nominierung daher nicht. Doch nach der außergewöhnlichen Rally bei Gold – vor allem in den ersten Wochen dieses Jahres – bot sich diese Nachricht jedoch für Gewinnmitnahmen geradezu an.

Die Nominierung von Kevin Warsh lieferte damit den äußeren Anlass, doch im Kern traf sie auf einen Markt, der zuvor auch von FOMO (Fear of Missing Out) – also der Angst, die Rally zu verpassen –, getrieben war. Anleger waren immer weiter in steigende Kurse hineingelaufen, bis die erste plausible Nachricht genügte, um die Stimmung kippen zu lassen und eine breite Gewinnmitnahme auszulösen.
Überhitzter Markt löst Verkaufswelle aus
Nach einem derart steilen Anstieg genügt bereits eine kleine Veränderung im Marktumfeld als Initialzündung. Setzen erste Spekulanten zur Glattstellung ihrer Positionen an, entsteht ein sich selbst verstärkender Abwärtsmechanismus: Aus anfänglicher Vorsicht wird rasch Verkaufsdruck, bis Anleger am Ende nur noch eines wollen – aus dem Markt herauszukommen, unabhängig vom Preis.

Dass der Markt zuvor überhitzt war, lässt sich an der technischen Verfassung ablesen. Beim Ende Januar erreichten Allzeithoch von knapp 5.600 Dollar je Feinunze notierte Gold rund 50 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt, einem in der technischen Analyse zentralen Maß für den mittel- bis langfristigen Trend. Seit Beginn der 1970er-Jahre kam es nur 14-mal vor, dass der Goldpreis 20 Prozent oder mehr über diesem Durchschnitt lag; und jedes Mal lag der Goldpreis sechs Monate später unter dem jeweiligen Hoch, wenn auch noch über dem 200-Tage-Schnitt.

Vor diesem Hintergrund fällt die Marktreaktion auf die Nominierung von Kevin Warsh überzogen aus. Die geldpolitische Haltung des Falken war bereits bekannt, sie erklärt den abrupten Kursrutsch allein kaum.
Goldnachfrage auf historischem Höchststand
Die Volatilität dürfte zunächst hoch bleiben, ein nachhaltiger Einbruch des Goldpreises erscheint jedoch wenig wahrscheinlich. Geopolitische Spannungen und anhaltende Zentralbankkäufe prägen das Marktumfeld weiterhin und wirken stabilisierend. Die erratische Zollpolitik der USA, der amerikanische Eingriff in Venezuela sowie die von Präsident Trump befeuerten strategischen Ambitionen rund um Grönland sorgen ebenso für Unsicherheit wie der fortdauernde Krieg in der Ukraine und die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten. In diesem Umfeld dürfte Gold ein gefragter sicherer Hafen bleiben.

Die kürzlich veröffentlichte Jahresbilanz 2025 des Goldminenverbands World Gold Council bestätigt den Trend. Demnach erreichte die weltweite Nachfrage im vierten Quartal das höchste Niveau seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2010. Im Gesamtjahr hatte sie erstmals die Marke von 5.000 Tonnen überschritten.

Wichtigster Treiber war die Investmentnachfrage, die im vierten Quartal im Jahresvergleich um mehr als 70 Prozent stieg. Im Gesamtjahr verzeichneten Gold-ETFs Nettozuflüsse von 801 Tonnen – das zweitstärkste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Nachfrage nach Barren und Münzen wiederum verzeichnete mit 1.374 Tonnen das höchste Niveau seit zwölf Jahren. Der Gesamtwert der Goldnachfrage stieg auf den Rekordwert von rund 555 Milliarden Dollar.

Einen wesentlichen Anteil an der hohen Nachfrage hatten auch die Zentralbanken: 2025 stockte der offizielle Sektor seine Goldreserven um 863 Tonnen auf. Zwar lag dieses Volumen unter den Rekordkäufen der drei Vorjahre, doch die Zukäufe bewegten sich weiterhin auf historisch hohem Niveau und waren geografisch breit gestreut. Und: Einer Umfrage des World Gold Council zufolge beabsichtigen viele Zentralbanken, ihre Bestände weiter auszubauen.

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