Marktreport Erstellt am  9. Juli 2026
Goldpreis aud dem Prüfstand
Das erste Halbjahr ist beendet – Zeit also für eine Zwischenbilanz.
Fakt ist: Der Goldpreis gab in den ersten sechs Monaten um rund sieben Prozent nach. Besonders deutlich fiel der Rückgang im zweiten Quartal aus: Mit einem Minus von etwa 14 Prozent verzeichnete das Edelmetall den stärksten Quartalsverlust seit 2013.

Die Turbulenzen spiegeln sich auch in der Volatilität wider. Nach Angaben des World Gold Council (WGC) lag die durchschnittliche Volatilität des Goldpreises zuletzt bei rund 30 Prozent – deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von etwa 17 Prozent in den vergangenen zwei Jahrzehnten.
Aussicht auf Zinserhöhungen macht Gold zu schaffen
Zuletzt geriet Gold erneut unter Druck. Ein Grund: US-Präsident Donald Trump erklärte, ein vorläufiges Friedensabkommen mit dem Iran sei „vom Tisch“. Die Äußerung ließ die Ölpreise steigen und schürte darüber hinaus Sorgen vor Inflation und höheren US-Zinsen. Der Goldpreis gab daraufhin nach und notierte mit knapp über 4.000 Dollar je Feinunze deutlich unter seinem Ende Januar erreichten Allzeithoch von 5.595 Dollar.

Auch die voraussichtliche Geldpolitik der US-Notenbank verleiht dem Goldpreis keinen Rückenwind, im Gegenteil: Noch zu Beginn des zweiten Quartals gingen viele Marktteilnehmer davon aus, dass die Fed ihre Leitzinsen im Laufe des Jahres senken würde. Inzwischen signalisiert die Preisbildung an den Terminmärkten eine Zinserhöhung. Ein wichtiger Indikator dafür ist das FedWatch Tool der CME Group. Es wertet die Preise von Terminkontrakten auf den US-Leitzins aus und zeigt, welche Zinsschritte die Marktteilnehmer aktuell für wahrscheinlich halten. Nach den aktuellen Daten des FedWatch Tools rechnen die Investoren inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 58 Prozent damit, dass die Federal Reserve im September die Zinsen anhebt.
Langfristige Treiber bleiben intakt
In der Folge stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen und zudem wertete der Dollar deutlich auf. Für das renditelose Edelmetall erwies sich dieses Umfeld als Belastung. Entsprechend zogen offenbar zahlreiche Anleger Kapital aus Gold-ETFs ab. Schließlich schrumpften deren Bestände laut Bloomberg seit Beginn des zweiten Quartals um mehr als 40 Tonnen.

Dennoch ist diese Korrektur wohl nicht das Ende des langfristigen Bullenmarktes. Zum einen ist die derzeit eingepreiste restriktive Geldpolitik keineswegs ausgemacht: Sinkende Energiepreise und das zuletzt schwächere US-Beschäftigungswachstum deuten darauf hin, dass der Inflationsdruck in den kommenden Monaten nachlassen könnte. Damit würde auch der Spielraum für weitere Zinserhöhungen geringer.

Zugleich bleiben die fundamentalen Treiber des Goldpreises weiterhin intakt: Die globale Staatsverschuldung nimmt weiter zu, viele Industrieländer kämpfen mit chronischen Haushaltsdefiziten – und die anhaltenden geopolitischen Spannungen sorgen weltweit für Unsicherheit.
Diversifizierung statt Dollarabhängigkeit
Als zentraler Treiber gelten aber vor allem die Käufe der Zentralbanken, die seit 16 Jahren netto Gold kaufen. Hinter dieser Entwicklung steht vor allem der Wunsch vieler Notenbanken, ihre Währungsreserven breiter zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom US-Dollar schrittweise zu verringern. Laut einer im Juni veröffentlichten Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken erwarten 89 Prozent, dass die Institutionen in einem Jahr mehr Gold halten werden. Noch aussagekräftiger ist die Antwort auf die Frage, wie sich der Goldbestand der eigenen Zentralbank in den nächsten zwölf Monaten verändern wird: 45 Prozent prognostizieren Zukäufe – der höchste jemals gemessene Wert.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend im Reich der Mitte. Die People's Bank of China kaufte im Juni den 20. Monat in Folge Gold und erhöhte ihre Bestände um 480.000 Unzen beziehungsweise knapp 15 Tonnen – der stärkste monatliche Zukauf seit Oktober 2023. Insgesamt summieren sich die Käufe der vergangenen 20 Monate auf mehr als 80 Tonnen, was einem Durchschnitt von gut vier Tonnen pro Monat entspricht. Auffällig ist die zuletzt deutlich gestiegene Dynamik: Allein in den vergangenen drei Monaten erwarb die chinesische Notenbank rund 33 Tonnen Gold; sie nutzt also offenbar das aktuell niedrigere Preisniveau gezielt für zusätzliche Käufe.

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