Silber war, ist und bleibt wohl gefragt.
Fakt ist: 2025 gehörte Silber zu den gefragtesten Anlageklassen. Der Preis legte um etwa 148 Prozent zu und erreichte damit die stärkste Jahresperformance seit 1979. Und auch in 2026 präsentiert sich das Edel- und Industriemetall bisher recht robust; schließlich ist der Kurs seit Jahresbeginn um weitere rund 24 Prozent auf rund 95 Dollar je Feinunze gestiegen.
Die Silber-Rallye wird aktuell unter anderem von den Faktoren getragen, die auch den Goldpreis antreiben: steigende geopolitische Risiken und wachsende Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank. Edelmetalle – allen voran
Gold aber auch Silber – gelten in einem derart unsicheren Umfeld für viele Investoren als sicherer Hafen, in den sie ihr Kapital verlagern. Zusätzlich verstärkt wurde die Preisdynamik von den ungewöhnlich knappen Beständen.
London als Preistreiber
Besonders die geringen Vorräte in den Londoner Tresoren machen den Markt anfällig für hohe Schwankungen: Aufwärtsbewegungen können dadurch rasch an Fahrt gewinnen – und ebenso abrupt enden, sobald Engpässe sich auflösen.
Sind die verfügbaren Silberbestände in London knapp, muss zusätzliche Nachfrage schneller über den Preis ausgeglichen werden. Unter normalen Bedingungen würde ein wöchentlicher Nettobedarf von 1.000 Tonnen den Silberpreis schätzungsweise um rund zwei Prozent bewegen. In der derzeitigen Lage liegt diese Sensitivität wohl bei etwa sieben Prozent – ein Maß dafür, wie stark der Markt inzwischen auf Zu- und Abflüsse reagiert.
Spekulative Investoren stützen Kurs zusätzlich
Diese erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit hängt eng mit der besonderen Rolle Londons zusammen. In der britischen Hauptstadt wird der globale Referenzpreis für physisches
Silber festgelegt, und ein erheblicher Teil der Liquidität ist in der Stadt konzentriert. Werden die Bestände knapp, können sogenannte Squeezes die Preisrallyes beschleunigen: Händler, die auf fallende Silberpreise gesetzt haben, müssen ihre Positionen bei stark steigenden Kursen schnell schließen, um Lieferverpflichtungen zu erfüllen.
Diese Eindeckungen erzeugen zusätzliche Nachfrage und treiben den Preis weiter nach oben – ein Effekt, der durch die geringen Lagerbestände noch verstärkt wird. Kleine Engpässe können so große Preisbewegungen auslösen. Löst sich der Engpass wieder auf, kann die Bewegung auch stark zurücklaufen. Genau diese „Asymmetrie“ dürfte den Markt in den kommenden Monaten prägen – sowohl nach oben als auch nach unten.
Silbermarkt bleibt angespannt
Wie schnell es am Silbermarkt abwärtsgehen kann, zeigt der 29. Dezember des vergangenen Jahres: An diesem Tag verzeichnete Silber mit bis zu neun Prozent den stärksten Tagesverlust seit mehr als fünf Jahren. An der New Yorker Rohstoffbörse COMEX wurden die Margin-Anforderungen deutlich erhöht, um die Risiken für die Handelsparteien zu begrenzen. In der Folge sahen sich viele Händler gezwungen, ihre Positionen zu verkaufen, um den neuen Sicherheitsleistungen nachzukommen. Diese Zwangsverkäufe trieben die Preise weiter nach unten, und die Volatilität des Marktes stieg kurzfristig kräftig an.
Nachfrage übersteigt Angebot seit fünf Jahren
Ein zusätzlicher Faktor für die angespannte Situation kommt aus China: Anfang 2026 wurden dort weitreichende Exportbeschränkungen für Silber eingeführt. Die Regierung kontrolliert den Export nun streng und erlaubt ihn nur noch wenigen ausgewählten Lizenzunternehmen – wohl auch, um die heimische Versorgung für Schlüsselindustrien wie Photovoltaik, Elektromobilität und Elektronik sicherzustellen. Zum Hintergrund: Silber ist nicht nur ein Edel-, sondern auch ein Industriemetall, das vor allem für die Energiewende unabdingbar ist.
Gleichzeitig führt diese Regulierung zu einer künstlichen Verknappung auf dem internationalen Markt, da die bislang frei verfügbaren Mengen deutlich reduziert werden. Diese Entwicklung trifft auf einen Markt, der ohnehin schon seit fünf Jahren von einem Angebotsdefizit geprägt ist.